Frauen und IT

Mai 15, 2008 at 9:49 | In Nicht kategorisiert | 2 Comments

Eine weitere Massnahme, die im Rahmen der informatica08 forciert wird bzw. forciert werden sollte, ist die Frauenförderung in technischen Berufen, im speziellen in der Informatik.

Gemäss dem schweizerischen Bundesamt für Statistik sind die Frauen in der IKT-Ausbildung „kontinuierlich unterrepräsentiert“.

Diese Tatsache ist jedoch schon lange bekannt, wie eine Studie aus dem Jahre 2004 beweist.

Dass dieses Thema wieder aufgefrischt wird, liegt wohl unter anderem daran, dass Wirtschafts- und Forschungsvertreter mittlerweile zum Schluss gekommen sind, dass durch die Einstellung von Frauen in IT-Bereichen ein nicht zu verachtender Mehrwert generiert wird.

Die Frage ist natürlich: Warum gibt es denn tatsächlich so wenige Frauen in der IT-Branche, wenn sie doch mit einem Informatikabschluss so gesucht sind und einer spannenden und lukrativen Aufgabe entgegensehen können?

Diese Frage wird aus meiner Sicht in den Medien erstaunlich durchdacht diskutiert. Dabei sind mehrere Dimensionen zu beachten.

  • gesellschaftliche Dimension
  • bildungspolitische Dimension
  • disziplin-bezogene Dimension
  • kulturelle Dimension

Ich möchte mich aber nur auf die gesellschaftlichen Aspekte konzentrieren. Die Artikel, die ich im weiteren Verlauf des Eintrags zitiere, enthalten jedoch alle auch Informationen zu den anderen Bereichen.

Gesellschaftliche Aspekte:

Sowohl im oberen Artikel als auch in weiteren Artikeln wie z.B. in diesem Artikel, der von Henriette Baumann, Vorsitzende der SI-Fachgruppe donna informatica, verfasst wurde, wird die Problematik des veralteten Frauen- und Familienbild angesprochen. Auch Prof. Dr. Zehnder von der ETH Zürich sieht eine der Ursachen für den Frauenmangel in technischen Berufen in der traditionellen Rollenverteilung.

Ich bin der Meinung, dass sich diese Problematik nicht nur auf eine Branche reduzieren lässt, sondern viel mehr Ausdruck einer generellen Ein- bzw. Unterschätzung der Frau ist. Als mathematik- und physikbegeisterte Frau und Mutter bin ich schon oft mit solchen eingeengten, veralteten Sicht- und Handlungsweisen konfrontiert worden. Dies fing schon bei der Wahl meiner Maturaarbeit-Thematik an und zieht sich leider bis jetzt kontinuierlich durch meinen Lebensweg.

Entäuschenderweise sind es oft Frauen, die die verschiedenen Modelle (berufstätige Mutter vs. Mutter „im herkömmlichen Sinne“) als Fronten aufspannen, so dass ungemein lächerliche Diskussionen über die Rolle der Frau/Mutter entstehen, die die Situation in meinen Augen noch verschlimmern.

Es sollte doch möglich sein, ein wirtschaftliches, politisches und gesellschaftliches Umfeld zu formen, das berufstätigen Müttern / Eltern die Möglichkeit gibt beiden Verpflichtungen in einem angemessenen Umfang nachkommen zu können ohne dabei finanziell oder energetisch an bzw. über die Grenzen zu gelangen und dabei nicht die Mütter / Eltern „im herkömmlichen Sinne“ zu benachteiligen. Welches Modell nun das Bessere ist, soll und muss jede Mutter / Familie für sich entscheiden und auch entscheiden können ohne dabei andere Lebensformen herabzusetzen oder einzuschränken wie es heute nach wie vor der Fall ist.

Beim internationalen Vergleich wird auch ersichtlich, dass die Schweiz weit hinten liegt. Der Artikel „Informatik – Boom ohne Frauen?“ setzt sich fundiert mit dieser Thematik auseinander.

Offensichtlich ist die Schweiz im Bereich Frauenförderung und Familienpolitik ein „Entwicklungsland“. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass unablässig Missstände aufgezeigt, Massnahmen formuliert und umgesetzt werden. Eine grosse Protion Feminismus ist an dieser Stelle unabdingbar.

2 Kommentare »

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  1. Hoi Rea

    Alice Schwarzer wäre stolz auf dich, würde sie diesen Artikel lesen. Persönlich habe ich eher das Gefühl, dass beim Feminismus das Pendel wieder zurück schwingt und dass bei den jüngeren Frauen die feministische Problematik zuwenig bewusst wahrgenommen wird oder dass gar Gleichgültigkeit in diesem Bereich herrscht.
    Bei den Gemeindewahlen in Davos vom 1. Juni 2008 kandidieren gerade mal 2 Frauen für 22 Sitze! Dies zeigt mir, dass Frauen mit Haushalt, Kindern und allfälliger Erwerbstätigkeit mehrfach belastet sind. Die Männer arbeiten zuwenig mit im Haushalt und in der Kindererziehung.
    Allerdings liegt dies auch in Frauenhand, sich mehr durchzusetzen und gegenüber dem „starken“ Geschlecht auch klare Forderungen zu stellen.
    Als ein anderes Manko der Frauen nennt Hauke Stars von HP Schweiz mangelndes Networking . Uns fordert die Frauen dazu auf, mit mehr Selbstvertrauen die eigene Karriere zu forcieren.

  2. Hallo Rolf,
    der Abgabetermin ist zwar schon vorbei, doch trotzdem möchte ich mich zu deinem Kommentar noch äussern. Deine Beboachtungen bezüglich dem Feminismus kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Es scheint, als ob die jungen Frauen sich nicht bewusst sind, dass wir nach wie vor (je nach Sachlage) massiv schlechter behandelt werden als Männer in der gleichen Situation. Offensichtlich reicht es der heutigen weiblichen Jugend salopp gesagt „Hosen zu tragen und in die Schule gehen zu können“. Dass die Frauen in Bezug auf die Familienpolitik, beim Salär, beim Einstieg ins Berufsleben benachteiligt werden, wird anscheinend nicht wahrgenommen oder verdrängt.
    Ich bin auch der Meinung, dass diese Thematik unter anderem in Frauenhand liegt, doch möchte ich hier nur mal anfügen, dass es als berufstätige Mutter ziemlich schwierig wird, sich noch politisch zu betätigen. So fehlt den Frauen die notwendige Lobby, um erhört zu werden.


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