politische Differenzen als Fortschrittsbremse?
April 10, 2008 at 8:54 | In Nicht kategorisiert | 2 CommentsIm ersten Eintrag „Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer“ habe ich die Frage aufgeworfen, wie denn der Informatikunterricht an Mittelschulen aussehen soll.
Bei meiner letzten Recherche habe ich dazu noch einige interessante Artikel gefunden, die dieser Problemstellung eine neue Dimension geben. Aus diesem Grund möchte ich in diesem Beitrag diese Problemstellung noch näher betrachten.
Prof C. A. Zehnder, Dozent an der ETH Zürich hat sich schon im Jahre 2000 mit dem Informatikunterricht an Mittelschulen auseinandergesetzt. Dabei bezieht er sich auf die Veränderungen, die beim Übergang vom Maturitätsanerkennungsverordnung (MAV) zum Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) in Bezug auf die Informatik ergeben haben.
Ich konzentriere mich im weiteren Verlauf auf folgende Veränderungen:
- Art der Reglementierung -> Informatik nicht mehr als Maturafach
- Informatik-Inhalte -> vom Programmieren zur Anwendung von Standardprogrammen
Der erste Punkt sieht er nicht ganz so negativ wie andere Vertreter aus dem Bereich Informatik. Er setzt sich jedoch für eine klare Trennung zwischen informatikanwendung und Fachinformatik (= Konzeptwissen). Diese Forderung tangiert auch die Entwicklung, die im dritten Punkt beschrieben ist.
Prof C. A. Zehnder setzt sich dafür ein, dass die Informatikanwendung in den allgemeinen Unterricht eingebunden wird. So soll auch die von der MAR angestrebte Vernetzung ermöglicht werden.
Seine zweite Forderung, ein Grundlagenfach „Fachinformatik“ einzuführen, steht im Rahmen der informatica08 wieder einmal auf der „To-do-Liste“. Offensichtlich ist in diesem Bereich noch keine Änderung durchgesetzt worden.
Eine skeptischere Einstellung gegenüber den Veränderungen im Zuge des MAR hat(te) Prof. Hermann Knoll, Dozent an der HTW Chur und Vorstandsmitglied des Schweizerischen Verein für Informatik in der Ausbildung (SVIA) in seinem Vortrag im Jahre 2005 zu Tage gelegt:
Die von Prof C. A. Zehnder angestrebte Vernetzung habe nicht stattgefunden, da die Lehrpersonen nicht dafür ausgebildet seien und sich statt ein Miteinander der informatik und Fachinhalte eine Konkurrenz entwickelt hat, die zur Folge hatte, dass die Informatik auf der Strecke blieb.
Die Informatik als eigenständige Disziplin zu betrachten und dementsprechend als Maturafach anzubieten, ist laut Prof. H. Knoll auch nicht auf offene Ohren gestossen. Im Gegenteil, Vorstösse von einzelnen Kantone wurden klar abgewiesen.
Offensichtlich war die politische Vertretung trotz Hinweisen zur Dringlichkeit und Wichtigkeit eines Ergänzung- bzw. Grundlagenfach Informatik von Fachpersonen und -organisation, nicht dazu bereit, diese Forderungen auch umzusetzen.
Der SVIA setzte sich daher weiterhin für die Einführung eines Ergänzungsfach Informatik ein und strebte nach Abschluss des Projekts „Ergänzungsfach“ die Diskussion über Informatik als Grundlagen- und Schwerpunktfach an.
Ein Jahr nach diesem Vortrag ist eine Rahmenlehrplan formuliert worden. Dieser kann man auch auf der Homepage des SVIA unter Aktuell abrufen. Laut SVIA steht der Beschluss noch aus.
Ein interessanter Artikel zu dieser Problematik zeigt noch weitere mögliche Gründe für das schleppende Vorankommen bei der Lösung dieser Problemstellung auf. Ein Vertreter des Departement Informatik hat dazu einen Kommentar geschrieben, in dem er die Rolle der ETH Zürich in dieser Debatte darstellt. Dabei verweist er auf das Kompetenz- und Beratungszentrum für Informatikunterricht, das kostenlosen informatikunterricht an Mittelschulen anbietet.
Es ist erstaunlich, dass trotz aller Bemühungen noch keine wirklich massgebliche Veränderung stattgefunden hat. Dies ist bedauerlich, wenn man sieht wie wichtig eine solche Verankerung der Informatik im Unterricht für die Zukunft des Informatikstandortes Schweiz und somit auch für die Informationsgesellschaft an sich ist.
2 Kommentare »
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Hoi Rea
Die Politik scheint mit dem Thema Informatikausbildung überfordert zu sein.
In der Zeitschrift Computerworld ist ein Interview mit dem Zürcher Nationalrat Ruedi Noser , der selber eine IT Firma besitzt. Er bemängelt, dass die IT Branche kein professionelles Lobbying betreibt und dass die Branchenverbände zuwenig gut organisiert sind. Ein Grund dafür sei, dass die IT-Branche in der Schweiz keine eigenständige Branche ist, sondern dass die grössten Arbeitgeber für IT-Jobs die Banken sind.
Besonders gut am Interview von Noser gefällt mir seine Forderung zur gänzlichen Erschliessung der Schweiz mit „Lichtwellenleitern“.
Zusammen mit dem Schwyzer Ständerat Bruno Frick hat Noser die Bewegung ePower für die Schweiz begründet, die auf politischer Ebene für den IT Standort Schweiz wirbt.
Das scheint mir eine vernünftige Initiative zu sein, deshalb habe ich sie auch gleich unterschrieben.
Schönes W/E
Rolf
Kommentar von Rolf Marugg — Mai 2, 2008 #
Oh mann…
Min erschtä link tuet schu wieder nid…
sorry….
Kommentar von Rolf Marugg — Mai 2, 2008 #