Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer

März 9, 2008 at 10:41 | In Nicht kategorisiert | 2 Comments

Wie ich im letzten Eintrag angedeutet habe, betrachte ich in diesem Beitrag die bildungspolitischen Massnahmen die im Rahmen der informatica08 ins Zentrum gerückt worden sind.

Dabei konzentriere ich mich auf die von der Bundesrätin Doris Leuthard in der Eröffnungsrede (siehe auch „bildungspolitische Massnahmen“ im vorhergenden Eintrag) am IT-Summit angeschnittenen Punkte.

Wenn man den ersten Punkt betrachtet „Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer in Berufsmatura und Gymnasium“ treten schon erste Fragen auf.

Bei der Berufsmatura werden sechs Typen mit unterschiedlichen Schwerpunkten angeboten.

Soll nun den Typen, die bereits mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet sind, mehr Bedeutung zugesprochen und so die bereits bestehende Wertung der unterschiedlichen Fähigkeiten zugespitzt werden?

Oder soll der mathematisch-naturwissenschaftliche Bereich in den anderen Berufsmatura-Typen integriert werden im Stile eines allgemeinbildenden Faches und somit ein weiteres „Angstfach“ für Schüler/-innen, die keinen oder einen steinigen Zugang zu solchen Fächern haben, eingeführt werden?

Bei der gymnasialen Ausbildung gibt es da eine weniger problematische Ausgangslage. Die naturwissenschaftlichen Fächer gehören bereits zum Grundlagenbereich, zudem besteht die Möglichkeit Schwerpunktfächer und Ergänzungsfächer der Naturwissenschaft zu wählen.

Doch wie soll ein Stärkung dieser Fächer erreicht werden?

Im Grundlagenbereich den Fokus auf Naturwissenschaft legen, oder das Angebot an Schwerpunktfächer und Ergänzungsfächer ausbauen?

Die zweite Variante hätte zur Folge, dass keine allgemeine Ausbildung im Bereich Naturwissenschaft erreicht werden kann, sondern „nur“ interessierte Schüler/-innen sich vertiefen können, wie es heute bereits der Fall ist.

Abgesehen davon, dass dieser Punkt sehr schwammig formuliert ist, frage ich mich auch, ob eine generelle Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer tatsächlich zur Förderung der Informatik einen nachhaltigen Beitrag leisten kann.

In meinen Augen sollte die Informatik als eigenständige Disziplin betrachtet werden. Die Fähigkeiten, die man als Schüler/-in in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern erlangt, deuten meines Erachtens nicht zwingend auf einen einfacheren Zugang zur Informatik hin.

Da Schulreformen oft schwierig umzusetzen sind, bin ich der Meinung, dass man den Fokus auf die relevanten Vorstösse zur Förderung der Informatikkentnisse legen soll und nicht seine Kraft, Zeit und finanziellen Möglichkeiten für Massnahmen einsetzt, die keine oder wenige Auswirkungen auf die problematische Situation haben.

2 Kommentare »

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  1. Hoi Rea
    Ich möchte mich zum Votum von Frau Leuthard bezüglich der Förderung von naturwissenschaftlich- mathematischen Fächern an Gymnasien und Berufsmittelschulen äussern. Ich selber habe die naturwissenschaftliche BMS am Strickhof absolviert. Während dieses Jahres konnte ich im Fach Informatik meine Anwenderkenntnisse vertiefen. Grundlagen wurden uns jedoch kaum beigebracht. Im Mathematikkurs hatten wir etwas Boolesche Logik und binäres Zahlensystem, aber das war auch schon alles.
    Ich denke nicht, dass es möglich gewesen wäre, dass wir zusätzlich zum Stoff noch Zeit gehabt hätten, um noch umfassendere Informatikgrundlagen zu erarbeiten. Dies wäre nur möglich gewesen auf Kosten anderer Fächer.
    Für eine Informatiker-Ausbildung ist darum eher die technische BMS geeignet. Dies bedeutet, dass sich die/der Einzelne früher entscheiden muss, in welche Richtung ihre/seine Ausbildung führen soll.
    Wenn wir vermehrt Informatik-Grundlagen in den Grundschulunterricht integrieren würden, ginge das auf Kosten anderer Fächer und da fängt dann die politische Diskussion an. Diese Diskussion müsste zum jetzigen Zeitpunkt möglichst breit entfacht werden, damit in absehbarer Zeit etwas verändert wird.
    Und wir werden uns das auch einiges kosten lassen müssen. Lehrer müssen fortgebildet oder spezialisierte Lehrkräfte eingestellt und die Schulcomputer mit entsprechenden Programmen aufgerüstet werden.
    Dies geht bestimmt nicht ohne Widerstand aus denjenigen politischen Kreisen, die die Staatsausgaben um jeden Preis senken wollen, damit der Bürger weniger Steuern bezahlen muss.
    Auch persönliche Ressentiment verhindern oft den Fortschritt. Einer meiner ehemaligen Primarschullehrer aus Davos hat mir letzthin verraten, dass er gegenüber dem Programm Schulen ans Netz seinerzeit sehr skeptisch eingestellt war und darin keinen Sinn sah. Heute sieht er sich eines Besseren belehrt. Solche Widerstände werden auch auftauchen, wenn Informatikgrundlagen zur Grundschulausbildung eingeführt werden sollen.

  2. [...] 10, 2008 at 8:54 vormittags | In Nicht kategorisiert | Im ersten Eintrag “Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer” habe ich die Frage aufgeworfen, wie denn der Informatikunterricht an Mittelschulen aussehen [...]


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